Favourite movies and shows 2025
2025 neigt sich dem Ende und das Jahr lechzt nach einem kleinen Rückblick, obwohl das Filmjahr selbst gar nicht so viel Gravitas auszustrahlen scheint wie die vergangenen Jahre. Einige große Regisseure wie etwa Wes und Paul Thomas Anderson, Darren Aronovsky, Ryan Coogler, Yorgos Lanthimos oder Danny Boyle haben sich wieder aufs Parkett getraut, aber die wirklich wahrlich überragenden Filme unter diesen Autorenfilmern waren dann doch eher rar oder von eher noch unbekannten Regisseur:innen. Trotzdem gab es wieder einige herausragende kleine und große Highlights, auch auf der physischen, gegenüberliegenden Seite der Leinwand. Tolle Kinobegegnungen mit vertrauten aber auch neuen Freund:innen, die Berlinale war wie jedes Jahr sehr vielseitig und herzlich und ich hatte das Glück, einen Teil des Fantasy Filmfestes in München mit Marcus zu schauen. Und tatsächlich ist mit "Sehnsucht in Sangerhausen" ein wirklich gelungener kleiner Arthouse Film auf die Leinwand gezaubert worden, der einfach mal ein Portrait über die Heimatstadt ist. Was für ein seltsames Gefühl das ist, den Ort der eigenen filmischen Sozialisation (die Bestuhlung des Kinos in Sangerhausen) vom Kinofilm selbst zu betrachten? Allein dafür muss ich Julian Radlmaier danken, dem es daneben aber nicht nur gelungen ist, Sangerhausen würdig darzustellen, sondern auch eine kluge und vor allem herzliche Geschichte in diesem Setting zu erzählen. Später dazu mehr! Und wo wir schon in Sangerhausen sind: mein absolutes Highlight aus diesem Jahr: nach fast 25 Jahren habe ich mein längstes und größtes Projekt zu einem Ende gebracht: die Entwicklung bzw. der Ausbau meines Heimkinos.
Seit ich bei meinem Freund Andre 1990 oder 1991 in unserer Heimatstadt Star Wars im Fernsehen gesehen habe, hab ich mich dem Medium Film verschrieben und mich immer nach einem guten und passenden Setup für mein Heim gesehnt. Mit meinem Jugendweihegeld hab ich dann als junger Stöpsel meine erste Dolby Sourround Bose Anlage für meine damals neu erworbene, super rare Playstation 2 gekauft und von da an kontinuierlich meine Filmsammlung (ein Teil davon wurde vor drei Tagen gestohlen) erweitert, um in meinem Jugendzimmer Filmabende mit meinen besten Buddies durchzuführen. Die Coen Brüder, Tim Burton, Paul Thomas Anderson, Steven Spielberg und sogar Terrence Malick waren meine ersten festen Regisseure, zu denen ich aufgeschaut hatte und es sollten noch viele folgen. Über die Jahre hinweg gab es dann größere und bessere Bildschirme, die Bose-Anlage wurde gegen einen richtigen Reciever mit tollen Boxen getauscht und nach und nach entstand ein wirklich gemütliches Setting, das mit meiner neuen Wohnung in Weimar und einem hochauflösenden Beamer auf einer riesigen Leinwand in diesem Oktober sein Finale finden sollte. Ich empfinde es als unglaubliches Privileg und großes Glück, mich in so einer heimeligen Atmosphäre den Filmen auf so großem Bild und Umgebung zu widmen, Und um das Ganze abzurunden, widmete ich mein (ursprünglich etwas einsames) Weihnachtsfest der alten Star Wars Trilogie. Es hatte etwas unfassbar nostalgisches und gleichzeitig wurde mir erst durch dieses Schauen die schier unfassbare technische Leistung von George Lucas bewusst, die in diese Werke geflossen ist: StopMotion Technik, praktische Effekte, Handpuppen und riesige Kostüme, Miniatursettings und die neuesten visuellen Gimmicks, die die Kamera hergeben konnten, machen diese alten Filme zu atmosphärischen Meisterstücken, die auch heute einfach herausragend gut funktionieren und mehr Charme versprühen, als es ein Avatar oder aktuelle Comicverfilmungen je könnten.
Kurz gesagt, ich liebe es, Filme ab jetzt noch einmal ein ganzes Stück anders sehen zu können und gemeinsam mit meinem Filmclub (<3) diese Leinwand immer wieder auszureizen. Danke an alle, die diese Leidenschaft mit mir teilen, mich darin positiv bestärken und einfach Lust haben, zusammen mit mir in ferne Welten, emotionale Abgründe und großartige Schauspielleistungen abzutauchen!
Kommen wir doch zu meiner Liste. An der Stelle möchte ich wie jedes Jahr allen Danken, die mich begleitet haben, mich eingeladen, mitgenommen oder mit mir mitgekommen sind, um gemeinsam ein paar spannende Diskussionen zu führen, Beobachtungen zu teilen oder sich einfach zu freuen. Ich hatte eine richtig gute Zeit mit euch! Auch möchte ich konstatieren, dass für mich das Serienjahr diesmal fast noch herausragender war als das Kinojahr selbst. Gerade hier gab es einige besonders starke Ausbrecher, auf die ich gerne zurückschaue. Hier aber nun der Einblick in eine ganze Reihe kleiner und großer Highlights, die ich gerne vorstellen und teilen möchte! Ich habe einige Filme weggelassen, denen ich nicht so viel abgewinnen konnte und wie immer fehlen mir einige große Filme, die ganz am Ende noch Erwähnung finden.
1. Herz aus Eis - The Ice Tower
Dieser Film wird wahrscheinlich nur bei mir auf dem ersten Platz landen, da er eher unbekannt ist, die Regisseurin Lucile Hadzihalilovic noch sehr unbekannt ist und es sich insgesamt um einen eher ruhigen und vor allem psychologischen Film handelt. Er hat aber bei mir eine magische Sogkraft entfaltet, die mich seit der Berlinale das ganze Jahr über begleitet hat. Die Neugier und Faszination für die von Marion Cotillard gespielte Schneekönigin bzw. deren Schauspielerin (was für eine faszinierende Doppelrolle!) hat eine seltsame Tiefe und Mystizität in mir erzeugt, welche diesen Film durch brillante, melancholische Bilder und wahnsinnig feinfühlige Zwischentöne trägt. Jeanne (gespielt von Newcomerin Clara Pacini) flieht aus ihrem trostlosen Leben und landet bei dem Dreh der "Schneekönigin" in den Alpen. Als blinder Passagier an dem Set verliert sie sich in der Faszination für die Schauspielerin der Schneekönigin. Auf seltsame Weise vermischt sich Realität und Fiktion und dieses zarte Band der Zuneigung zu Set und deren Schauspielerin zerfließt in amourösem Begehren und eiskalter Ablehnung. Der Film läuft gerade jetzt unter anderem im Lichthaus, ich möchte ihn allen ans Herz legen, die sich für alte Märchen (konkret hier Hans Christian Andersens Schneekönigin) interessieren oder sich gerne in Psychogrammen oder Coming of Age Filmen verlieren. Denn dann ist dieser Film eine wahre Perle! Mein persönliches Highlight!
1. Sing Sing
SingSing ist gar nicht aus 2025, aber ich hatte im Frühjahr das Glück, ihn mit meinem guten Freund Mo in einem Berliner Kino zu schauen. Ich hab mich vorab gar nicht informiert und wurde hier von einer so bewegenden, vielschichtigen Erzählung über straffällige Männer und ein Plädoyer für Theater- und Schauspielkunst mitgerissen, wie es nur selten der Fall ist. Berührend, erkenntnisreich, herzlich und authentisch begleiten wir einige Schauspieler, die dem tristen Knastdasein über das Schauspiel entfliehen. Und was für Performances hier auf die Bühne gebracht werden! Wenn dann die Credits laufen, wird einem das Unfassbare klar! Große Empfehlung für alle, die einen herzerwärmenden Film schauen wollen, der sich mit männlichen Gefühlen, Stolz, Ablehnung, Freundschaft, Berufung aber auch Selbstwirksamkeit beschäftigt!
1. Love // Dreams (Oslo Stories: Liebe // Träume)
2024 hat der Regisseur Dag Johan Haugeud eine Trilogie in Oslo gedreht, die verschiedenste Lebenskonzepte, existenzielle Sinnsuche und Alltagsgespräche einfangen soll. Während Dreams die Geschichte einer schreibbegabten Schülerin erzählt, die sich wahnsinnig feinfühlig in ihre Lehrerin verliebt und die durch ihre Großmutter in wunderbare Dialoge geführt wird, erzählt Liebe von zwei Osloer Personen, die sich wiederfinden in dem Struggle zwischen (un-)verbindlichen Beziehungen und der Fürsorge unter sich Liebenden. Leider habe ich Sex auf der Berlinale 2024 verpasst, der bei einigen (hallo Melanie) sogar als der beste Teil der Trilogie steht, aber auch die anderen beiden sind absolute Sehempfehlungen. Selten wurde das moderne Liebesleben in seiner Vielschichtigkeit so interessant, erkenntnisreich und einfühlsam erzählt. Ein wichtiger Beitrag für gegenseitiges Verständnis und so viel Authentizität, gleichzeitig absolut inspirierend für die Gestaltung der eigenen Beziehung oder der Entstehung eben jener. Auch wenn der Film vielleicht nicht reisserisch oder abgründig daher kommt, ist er trotzdem großes Handwerk und zurecht auch Berlinale Gewinner (für Dreams) und wirkt vor allem noch sehr lange nach!
1. The Brutalist
Und noch so ein epochales Werk mit langer Nachwirkung: The Brutalist handelt von einem Architekten, der absolut herausragend von Adrien Brodie verkörpert wird und ein (un-)amerikanisches Epos eines Scorsese oder Coppolas erzählt. Wir lernen die amerikanische Einwanderung kurz nach dem 2. Weltkrieg kennen, erleben die Herausforderung jüdischer Migrant:innen, überhebliche Generosität und die Bedeutung von Architektur kennen. Aber allen voran erkunden wir die tiefe Seele eines Außenseiters, der die Abgründe der Welt gesehen hat und versucht, darin irgendwie klar zu kommen im amerikanischen Alltag. Der Film hat eine unfassbar bewegende symbolische Ebene und überlebensgroße Bilder, mit Adrien Brody und Guy Pierce zwei der besten männlichen Darsteller, die das amerikanische Kino zu bieten hat und aufgrund der mehrjährigen brillanten Regiearbeit von Brady Corbet, den niemand auf dem Schirm hat, eine Person am Steuer, die diese überlebensgroße Gesellschaftskritik und dieses Mahnmal tatsächlich zähmen und inszenieren kann. Dieser Film ist ein in Zement gegossenes Zeitzeugnis, dass mich noch lange bewegen wird, obwohl es unverrückbar da steht wie ein brutalistisches Gebilde!
2. Bugonia
Lanthimos hatte mich letztes Jahr schon mit Poor Things begeistert und obwohl sein Episodenfilm ebenfalls interessant war, hat mich erst Bugonia wieder so richtig in seinen Bann gezogen. Das Zusammenspiel von Jesse Plemons (für mich immer wieder brilliant und faszinierend), Aidan Delbis (einfach goldig) und natürlich Emma Stone, die für mich immer wieder überragt, ist in dieser koreanischen Adaption (Green Planet) das Kernstück dieses Films und entfaltet ein komplexes Kammerspiel zwischen Humor, Drama, Trauma und existenziellen Grundfragen nach "Wie wollen wir leben" und "Lassen wir uns manipulieren oder emanzipieren wir uns?". Irgendwo zwischen Umwelt-, Kapitalismus- und Systemkritik flackert dieses Kammerspiel mit einem zwinkernden aber auch absurfden Auge. Die Dynamik dieser drei Charaktere wird dabei von einigen Nebenexkursen noch vertieft, die einem am Anfang skurril erscheinen, am Ende aber wie ein Klos im Halse stecken bleiben. Für mich ein absolutes Highlight.
3. One Battle After Another
Paul Thomas Anderson begleitet mich seit Magnolia aus dem Jahre 1999. Etwa ein Jahr später muss ich mir den Film blind und ohne Kontext in einer Krabbelkiste gekauft haben und hab ihn eigentlich wegen Tom Cruise gekauft, der mich zu der Zeit faszinierte (Eyes Wide Shut, Minority Report und natürlich seine Klassiker gingen ihm voraus). Was ich neben dessen überragender Performance erhalten habe war eine neue Dimension an filmischer Inszenierung, eine neue Musikoffenbarung durch Aimee Mann die im perfekten visuellen Zusammenspiel von Andersons Bildern ungemein in Szene gesetzt wurde, meine Liebe für vielschichtige Charaktere und eine der absurdesten Mittelsequenzen, die ich je gesehen habe. Nachdem mich die Coen-Brüder schon in ihren Griff hatten, hat Paul Thomas Anderson den nächsten Schritt gemacht. Bis heute liebe ich seine wahnsinnig prägnante Bildsprache, seine liebe für (fast ausschließlich männliche) Charakterdarsteller und diese Auseinandersetzung mit außenseiterhafter Männlichkeit, die nicht selten zwischen peinlich, abgründig aber auch irgendwie liebenswürdig changiert. Und auch One Battle After Another zeigt einen absoluten Loser, einen Anarchisten, der sein Leben irgendwie nie so richtig im Griff bekommt und trotzdem irgendwie immer im Mittelpunkt der Riots steht. Leo DiCaprio spielt diesen dauerbekifften Lebowski, der irgendwo gefangen ist zwischen seiner unreifen Libido und seinem herzlichen Vatergefühl herausragend. Aber für mich war es Sean Penn, der diesen Film auf ein anderes Level hebt. Dieser kaputte, sex- und anerkennungsgeile Millitärnarr, der nirgendwo sonst Respekt und Selbstwert erfährt, ist hier so prägnant erfasst und gleichzeitig unendlich skurril, dass ich nichts als den Hut ziehen kann vor Penns Leistung. Natürlich gibt es auch einige wahnsinnig tolle weibliche Schauspielerinnen, die dann aber doch etwas blass bleiben im gesamten Film, obwohl dieser wahnsinnig viel Laufzeit hat. Ich konnte es aber sehr genießen. Sicherlich nicht Andersons bestes Werk, aber zurecht gefeiert von den Medien ist dieser wilde Ritt eine weitere interessante Pynchon-Verfilmung, den ich wohl nie lesen werde.
4. La Chimera
Auch La Chimera ist eigentlich schon aus 2024, aber ich konnte ihn erst im Frühjahr schauen. Dieser brillante kleine Arthouse Film erzählt eine mystische kleine Archäologie-Geschichte über die Geister unseres Lebens, über Erinnerung und ihre Bedeutung, über die Ruinen unseres Alltags und die Melancholie des Abschieds. Der unüberwindbaren Brücke von Leben und Tod und dem, was wir zurücklassen. Dieser Film entfaltet eine poetische Kraft durch seine Bilder und seinen traurigen Hauptcharakter, der irgendwie verloren durch die Welt wandelt und immer wieder auf Reminiszenzen trifft, die durch den Schauspieler Josh O'Connor, einer DER Schauspielentdeckungen der letzten Jahre, leichtfüßig und einfühlsam getragen werden. Die Melancholie durchzieht dieses Werk von Alice Rohrwacher wie ein zarter Nebel eine morgendliche Wiese beim Sonnenaufgang. Traurig schön. Wunderbar.
5. Nosferatu
Für einige war Graf Orloks Wiederauferstehung unnötig wie ein Kropf, besonders wenn man gleich zwei gelungene Inszenierungen wie von Murnau und Herzog. Und doch ist Robert Eggers Neuverfilmung für mich die Stimmungsvollste. Mit den Mitteln des modernen Kinos aber sorgfältig ausgewählten Perspektiven erzählt Eggers hier die klassische Draculageschichte mit einer tiefen Liebe für Psychologie und Übernatürlichem. Wenn Orlok mit dem Einbruch der Nacht über sein Opfer herfällt, in voller Lust und Leidenschaft, in all seiner Hässlichkeit, entfaltet sich das abgründige Verlangen seines Begehrens in seiner völligen Gänze und sind seltsam mitgerissen von dieser Hingebung, die getragen wird von einem unfassbaren Soundtrack. Diese Szene hat sich tief in mein Filmherz gebohrt und wird mich lange begleiten. Und auch sonst ist das Schloss, die Reise, die Auferstehung, die lustvolle Irrung und das Verlangen von Ellen Hutter wahnsinnig innig inszeniert und modern auf Leinwand gepresst. Für mich die aus inszenatorischer Perspektive beste Variante des Nosferatu, gleichzeitig muss er sich natürlich an der kulturellen Bedeutung seiner Vorgänger messen und da wird er nicht ganz so viel neues hinzufügen sondern eher scheitern.
6. Die Saat des heiligen Feigenbaums
2024 klopft an und reicht noch einen tollen Film durch die Tür, der die Bedeutung von Aufklärung, Emanzipation und Solidarität in den Mittelpunkt rückt und sehr intensiv erzählt. Dieser Thriller, dieses Drama über die iranische Revolute in 2022 war wahnsinnig bewegend erzählt dank herausragender Darstellerinnen und einem sehr authentischen Plot und konnte mit seiner Aktualität punkten, die mich noch lange beschäftigt haben. Ein gewaltiger, gewaltvoller Beitrag.
7. We Bury the Dead
Vampire, Zombies, Geister... Meine Filmliste lebt vom Fantastischen. Und dazu zählt auch "We Bury the Dead". Hier kommt einer dieser Filme, die versuchen, dem Genrebereich eine existenzielle Perspektive abzuringen und so begibt sich Daisy Ridley auf eine Road-Movie Reise a la Heart of Darkness nach Tasmanien, um ihren Mann, der in ein elektromagnetisches Unglück geraten ist, wiederzufinden. Nach und nach entfaltet sich ihre persönliche Geschichte entlang dieses Unglücks, welches eine Art untoter Menschen zurückgelassen hat. Grundlegende Fragen über Menschlichkeit und Miteinander werden hier in einem wirklich feinfühligen und vor allem wahnsinnig atmosphärischen Film gegossen, was immer wieder aufgemischt wird durch intensive, gruselige Begegnungen. Aus meiner Sicht gelingt es dem Film, diese Klammer zwischen Abgrund und Existenziellem zu verwirklichen und ich kann nur jedem empfehlen, diesen Film zu schauen. Die seltsam mediokren Reviews wollen wir mir nicht ganz so klar ins Hirn, denn der Film versucht, vieles anders zu machen und erzeugt dabei ein kohärentes Ganzes. Und Daisy Ridley ist für mich auf jeden Fall ein absolutes Highlight hier! Und lucky you: der Film wird im Januar in die deutschen Kinos kommen, ich hatte das Glück, ihn mit Lena und Marcus auf dem Fantasy Film Fest in München zu schauen und wir waren alle 3 der Meinung, dass dieser Film wirklich viel kann! (Besonders im Vergleich zu manch anderer Gurke...)
8. Bring her Back
WAS FÜR EIN SCHMERZHAFTES BRETT. Bring her Back ist eine wilde Mischung aus immersivem Familiendrama nach dem Ableben der Eltern eines innigen Geschwisterpaares, dass in die Obhut einer irgendwie verschrobenen Ziehmutter gegeben wird. Und einem Horror/Gruselfilm: denn diese Ziehmutter versucht über ein abgründiges Ritual ihr Kind wiederzubringen. In diesem Spannungsverhältnis verfolgen wir die Geschwister in einer unfassbar hochwertigen, spannenden und schmerzhaften Inszenierung, bei dem der abgründige Regen aus Blut und Wut auf deine Seele trommelt. Brutal schön und schmerzhaft explizit, aber wirklich gelungen. Nach Talk to Me gleich der nächste Streich der Philippou Brüder, die sich aufgrund ihrer Hingabe in mein Horrorherz gespielt haben!
9. What does nature say to you
Hong Sang-soo ist für mich der koreanische Loriot. Punkt. Wenn er erzählt, wie der Schwiegersohn, den die Tochter über 3 Jahre lang verheimlicht hat, zum Familienessen kommt und dieser dann berichtet, dass er Poet werden will und sein albernes Gedicht vorträgt, dann kann man nicht anders als seinem inneren Kind dabei zuschauen, wie es sich über den Boden rollt. In wunderschön langsamen, innigen Einstellungen und Gesprächen verliert sich Hongsang Soo wie schon in A Travelers Needs in den humorvollen Absurditäten des Alltags. Speziell, aber wunderbar amüsant!
10. Weapons
11. Predator: Badlands
Ich bin ein Sucker für SciFi. Und Badlands nimmt einfach ein mega cooles Szenario und packt den Predator genau da hin und gibt ihm einen aberwitzigen Sidekick. In einer Odysee auf einem lebensfeindlichem Planeten begleiten wir dieses Duo dabei, nach der Anerkennung seines Vaters zu buhlen und dabei gibt es coole Kämpfe, Gimmicks und eine tolle Inszenierung, die einfach für die große Leinwand gemacht ist. Eine Art "erwachsener Mandalorian". Für Action-Fans und Nerds nicht das Schlechteste.
12. A Complete Unknown
Ich liebe Bob Dylans frühe Werke. Und Timmy Chalamet nimmt sich diesem Charakter wahnsinnig immersiv an. Die Inszenierung ist absolut gelungen und das Eintauchen in diese kleine Episode des ersten Wirkens von Dylan war erhellend, toll aufbereitet und einfach vielschichtig erzählt. Ich hätte dem noch ewig zuschauen können und hatte danach direkt wieder eine Dylan-Inspirationsphase. Dicke Empfehlung!
13. Sehnsucht in Sangerhausen
Ja, ich kanns auch nicht fassen. Der Film ist SO GUT. Auch frei von meiner Nostalgie für meinen Heimatort erzählt der Film eine tolle Reflexion über das Lebensgefühl einer kleinen Oststadt, die es erlebt hat, über das Verloren sein im Limbo der Arbeit und des Alltages und die seltsame Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart. Radlmaier liefert hier einen schönen Einblick in diese alte Ossie-Gegend und macht daraus ein warmherziges, fernab jeglichen Voyeurismuses eine warmherzige Erzählung der Solidarität. Sehr zu empfehlen!
14. Fwends
Fwends ist für mich einer der schönsten Wohlfühlfilme aus 2025. Diese Begegnung zweier Freundinnen, die zusammen durch Melbourne laufen und die weirdesten Dinge erleben ist nicht nur herzlich und skurril, sondern auch einfach super interessant. Irgendwo zwischen Woody Allen und Before Sunrise ist diese herzliche kleine Perle ein wahres Highlight meiner Berlinale!
15. Letters from Wolf Street
Noch so eine Berlinale-Perle. Ein indischer Dokumentarfilm-Student dreht sein erstes Projekt und will die Wolf Street und den Rassismus seines Wohnviertels in Polen in den Blickpunkt nehmen und zieht damit durch die Straße. Er trifft dabei skurrile, liebenswürdige aber auch fürsorgliche Mitmenschen, die wahnsinnig spannende Geschichten zu erzählen haben. Tolles introspektives Projekt und super inszeniert!
16. Der phönizische Meisterstreich
Und noch ein alter Regiehase, der hier schon x-fach genannt wurde. Wes Anderson (den ich seit 2001 mit Royal Tennenbaums im Kino verfolge) hat mit Benicio DelToro einen neuen Charakterdarsteller auserkoren, der in diesmal durch einen komplexen und wunderbar verschrobenen Coup führt. Rasant, typisch theatralisch und natürlich markant inszeniert wie gewohnt folgen wir DelToro durch eine abenteuerliche, semiactionreiche Reise ins Herzen des Miteinanders. Gewohnt skurril.
17. Chainsaw Man
Der vielleicht beste 3D-Film, den ich seit Jahren gesehen habe. Der Anime Chainsaw Man hat überhaupt die vielleicht beste Animeinszenierung, die ich bisher gesehen habe und das anfangs eher slowgepacte, später hochrasante Actionschauspiel hat mich echt mitgerissen. Während die ersten 30 Minuten einer tollen Coming of age Liebesgeschichte entsprechen, wird es danach zu einem wilden Ritt aus pokemonartigen abgründigen Dämonen, die sich gegenseitig beharken. Ich kenn die Serie nicht, aber der Film geht auch ohne gut klar und man hat eine gute Zeit!
18. The Botanist
Und wieder Berlinale. The Botanist ist eher ein Kinderfilm und erzählt das Leben von Arsin, der sich seine einsame Welt in China durch Pflanzen erschließt und dabei wunderschöne Begegnungen hat. Leichtfüßig, vielfältig und toll inszeniert!
19. Honey Bunch
Ein kleiner Thriller über Liebe und Abschied. Honey Bunch erinnert am Ehesten an Lanthimoses "The Lobster" und wir folgen einem seltsamen Paar durch eine gemeinsame Therapie, die sich nach und nach als etwas ganz anderes entpuppt. Toll inszeniert und in wahnsinnig schickem Setting, teils schmerzhaft aber eine gute Reflexion über Liebe und mit einer tollen Erzähltechnik versehen, erzeugt der Film vor allem eine superbe Stimmung!
20. Caught Stealing
Darren Aronofsky ist auch so ein Regiemensch, dem ich schon lange folge und sehr verbunden bin. Seit "Requiem for a Dream" und vor allem "The Fountain" bin ich seltsam verbunden mit diesem doch sehr verschrobenen Regisseur, der bei Caught Stealing seinen inneren Tarrantino kanalisiert und sehr kurzweilige, fastpaced Geschichte über einen Antihelden zeigt, der wie Lebowski ständig in Situationen fällt, die er gar nicht händeln kann und will. Untermalt von guter Musik, überraschend kompromislos und fast ohne Aronofskys eigener Handschrift macht der Film trotzdem richtig viel Spaß.
21. Superman
Ich bin überrascht, wie weit unten dieser Film landet, aber 2025 hatte dann eben doch sehr viele gute Filme. So wie auch diese Neuinszenierung von James Gunn. Superman ist einfach herrlich witzig und erfrischend, erzählt eine einerseits unbekümmerte und andererseits emotionale Superheldengeschichte mit ... einem Hund. Ich mags! Der Humor funktioniert hier sehr gut und die Mehrdimensionalität (höhö) des Bösewichts macht auch laune. Aber man darf nicht DEN großen Blockbuster erwarten.
22. Kontinental '25
Radu Jude hat einen Ruf für existenzielle Erkundungen im Alltag Rumäniens. So auch Kontintenal '25. Wir folgen einer transylvanischen Gerichtsvollzieherin, die nach dem Tod eines Obdachlosen in eine existenzielle Krise fällt und die Bedeutung und Irrungen und Wirrungen unserer Zeit reflektiert, besonders der europäischen Gemeinschaft. Klingt irgendwie komisch, ist vor allem aber eine richtig gelungene Tragikomödie!
23. (Blood &) Sinners
Das Sinners nicht weiter oben steht, ist bedauernswert. Aber soll toll ich diesen Blues-Vampirfilm a la From Dusk Till Dawn lieben würde, so sehr enttäuscht er mich dann doch auch in seiner Umsetzung und teils zu flachen Dialogen. Denn der Film pendelt zwischen ABSURD GUTEN Ideen und Inszenierungen (Nod to Skip James und Robert Johnson) und dann leider lotterlicher Action und unterwältigendem Heldenkult. Schade, macht aber trotzdem Spaß und ist ja auch zurecht sehr erfolgreich gewesen in den Kinos!
24. Memoirs of a Snail
Hach. Hätte Tim Burton ein uneheliches Kind, wäre es wohl der Regisseur von Memoiren einer Schnecke. Dieser melancholisch verschrobene StopMotion Film ist eine Art Misery Porn, denn den Protagonist:innen könnte es nicht schlechter gehen. Aber das Ganze wird mit einer Liebenswürdigkeit und einem Schmalz erzählt, dass man es niemandem Übel nehmen könnte...Speziell, aber schön.
25. Maya, give me a title
Auch Michel Gondry prägt mich schon lang. Sei es durch wahnsinnige Musikvideos wie Everlong von den Foo Fighters oder dem wunderbaren Vergiss mein Nicht (2004) (Eternal Sunshine of a Spotless Mind), Gondry erzählt wunderbar fantasyreiche Geschichten und schafft es immer wieder, mich mit seiner Magie abzuholen. Und so auch in diesem Film, der während Corona entstanden ist und eigentlich eine Kurzfilmsammlung an seine Tochter darstellt, da sie häufig getrennt Zeit verbringen mussten. In wunderbaren Inszenierungen erklärt Gondry die Welt (oder verschleiert sie noch mehr). Lass dich mitnehmen in diesen seltsamen pädagogischen Akt der Aufklärung.
Meine liebsten Serien
Hands down. Ich komm gar nicht so viel zum glotzen, daher kann ich Serien oft gar nicht so gut bewerten. Aber dieses Jahr hab ich ein paar Sachen gesehen, die mich absolut überwältigt haben und die ich hier einfach teilen MUSS. Es gibt bestimmt noch viele andere großartige Serien, aber die Folgenden haben mich einfach richtig abgeholt.



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